Digitaler Videorecorder: Teil 5: Videoschnitt & Nachberarbeitung

Foto von zwei einzelnen Filmstreifen

Nicht immer hat das aufgenommene oder aus Mediatheken herunter geladene Videomaterial die Form, die man gerne für sein Archiv hätte: Insbesondere im Privatfernsehen aufgezeichnete Sendungen zeichnen sich durch nervige Werbeblöcke aus. Doch auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist deutlich mehr im Videostrom, als man normalerweise braucht. In diesem Beitrag soll es daher darum gehen, wie mit Hilfe kostenloser Software störende Werbung aus Aufzeichnungen entfernt, Videos mit platzsparenden Codecs komprimiert und mehrere Tonspuren und Untetitel hinzufgeügt werden können.

Grundsätzliches zum aufgezeichneten „Rohmaterial“

Zeichnet man die Fernsehsendungen mit TVHeadend auf, so landet üblicherweise eine große TS-Videodatei (TS für Transportstream) auf der Platte. Diese Datei „kappselt“ alles, was bei so einer Ausstrahlung mitkommen kann, konkret z.b.

  • ein Videodatenstrom in SD (= DVD) oder HDReady Qualität
  • ein oder mehrere Audiodatenströme z.b.
    • Dolby 5.1 Spur
    • Stereo Spur
    • Spuren für andere Sprachen (z.b. englische Originalfassung, bei Arte oft auch französischer Ton)
    • Spuren mit Audio-Deskription für Menschen mit Sehbehinderung
    • Spuren mit alternativ abgemischtem Ton, für bessere Sprachverständlichkeit
  • Untertitelspur für Gehörlose
  • Videotext

Bevor man eine Aufzeichnung bearbeitet, sollte man sich ansehen, mit welchen Daten man es konkret zu tun hat,

Der VLC Mediaplayer z.b. bietet eine gute Übersicht (unter „Werkzeuge / Codec Information“) um sich ein Bild der enthaltenen Datenströme zu machen

Screenshot des VLC Codec Dialogs
Codec-Informationen in VLC. Die vorliegende Datei (offensichtlich eine Aufzeichnung von Pro 7) besitzt einen Video-Datenstrom in DVD Qualität (720 x 576 px), eine Stereo Audiospur in MPEG2 Audio (192 kbps), sowie eine weitere Audiospur im AC3 Format (ggf. Dolby 5.1 Sound). Außerdem ein Videotextsignal und eine Videotext-Untertitelspur für Gehörlose

Nachdem wir nun wissen, womit wir es zu tun haben, können wir mit der Nachbearbeitung beginnen.

Videobearbeitung mit Shotcut – Vorbereitung

Svreenshot der Videobearbeitungs-Software ShotCut in der Windoews-Version. Zu sehen ist das Schnittfenster mit einem Video der Serie "the Orville"

Für die Videobearbeitung nutzen wir die OpenSource Software „Shotcut“ – diese ist für alle gängigen Betriebssysteme (Windows, Linux, Mac OS) verfügbar. Sie bietet rudimentäre Werkzeuge für die Nachbearbeitung von Videos – durchaus vergleichbar mit kommerziellen Produkten. Für uns in jedem Fall vollkommen ausreichend im Funktionsumfang.

Beim Starten von Shotcut können wir ein neues Projekt erstellen – entscheidend ist, dass wir bei „Videomodus“ das korrekte Format wählen. Für SD-Aufnahmen (dies ist der Standard bei Aufnahmen aus dem Privatfernsehen) wählen wir „Nicht Broadcast / DVD Breitbild (PAL)“, für Aufnahmen in HD-Ready (in der Regel bei Sendungen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender) „HD 720p 50 FPS“.

Nach Erstellung des Projektes sollten wir außerdem unter „Einstellungen / Audiokanäle“ 2 (für Stereo) oder 6 (für Dolby 5.1) auswählen, abhängig davon, was uns das Ursprungsmaterial bietet.

Damit ist unser Projekt bereit und wir können mit der Nachbearbeitung beginnen. Wir öffnen mit dem Menu „Datei / Öffnen“ das TS-File mit unserer Aufnahme. Es erscheint im Schnittfenster – wir ziehen es mit der Maus runter in die Zeitachse und können es dort bearbeiten.

Durch den Button „Eigenschaften“ oberhalb der Zeitachse können wir in dem Reiter Video die gewünschte Videospur (üblicherweise gibt es aber nur eine :)) und im Reiter Audio die gewünschte Audiospur auswählen.

Dialog "Audio-Eigenschaften" in Shotcur zur Auswahl von Audiospuren

Üblicherweise wird standardmäig die deutsche Stereo-Audiospur ausgewählt. Möchten wir das Video mit 5.1 Sound exportieren, wählen wir hier die 5.1-Spur aus.

Werbeblöcke o.ä. entfernen

Mit den „Bild rauf“ / „Bild runter“ Tasten oder der Maus können wir in der Zeitachse im Video navigieren. Mit den Pfeiltasten (rechts und links) können wir Einzelbildweise zum Beginn eines Werbeblocks, den wir entfernen wollen navigieren. Durch drücken der s Taste setzen wir hier eine Schnittmarke.

Dann navigieren wir auf die gleiche Weise zum Ende des Werbeblocks und setzen erneut mit seine Schnittmarke.

Screenshot mit markiertem Bereich in Shotcut

Den so entstandenen Bereich klicken wir an und drücken die Entf Taste – weg ist er.

Exportieren

Haben wir alle Arbeiten abgeschlossen, müssen wir das bearbeitete Video exportieren.

Für die Export-Einstellungen wechseln wir über den Button „Exportieren“ in den Reiter für den Export und öffnen mit „Erweitert“ die Einstellungen.

Hier können wir für Video und Audio die Qualität unseres Exportes festlegen – dies hängt ein bisschen vom persönlichen Gusto ab.

Ich exportiere meine Videos als MP4 z.b. mit folgenden Einstellungen

  • Video: (richtet sich nach den Projekteinstellungen)
  • Codec: libx264 (H.264) Video, 60% Qualität
  • Audio: AAC Codec
    • 192 Kbps, 48.000 HZ für Stereo
    • 384 Kbps, 48.000 HT für Dolby 5.1

(Faustregel für Audio: 64 – 96 kbps pro Spur ist vernünftige, mit CD Audio vergleichbare Qualität)

Experimentier etwas mit den Einstellungen, bis der Export die Qualität hat, die Ihr gerne hättet.

Für Fortgeschrittene: Mehrsprachigkeit

Wer gerne Filme und Serien im englischen Original anschaut, für den ist das Angebot der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender durchaus interessant: Einige Sender (vor allem ZDFNeo, Arte und 3SAT) liefern bisweilen zu einigen wenigen Filmen und Serien den englischen Originalton als separate Tonspur mit, über den Videotedxt oder als separate Untertitelspur gibt es oft auch deutsche Untertitel, die man nutzen kann. Leider ist dies in der Regel im Vorfeld nicht ersichtlich, welche Sendungen in Mehrkanalton ausgestrahlt wird. Es hilft nur, nach einer Aufnahme mit VLC in die Aufnahmedaten zu schauen, und mit ein bisschen Glück findet man eine Audiospur mit englischem Ton darin.

Shotcut verfügt nicht über sämtliche Funktionen, die wir für die Erstellung eines vollwertigen mehrsprachigen Videos benötigen, wir brauchen daher zwei Zusatz-Tools:

  • FFMpeg: Kommandozeilen-Tool zum Bearbeiten von Video-Datenströmen. Dies wird auch intern von Shotcut benutzt, sollte also bereits installiert worden sein
  • Subtitle Edit: Tool zum Extrahieren / Editieren von Untertiteln

Beide sind kostenlos und OpenSource.

Vorarbeiten in Shotcut

Wir beginnen unsere Arbeiten zunächst wieder in Shotcut – wir erstellen ein neues Projekt, öffnen unsere Aufnahme-Datei und ziehen diese in die Zeitleiste.

Nun legen wir uns unten in der Zeitleiste eine neue Audiospur an (Rechtsklick auf die Zeitleiste, dann „Spurbearbeitung / Audiospur hinzufügen“

Screenshot für das Kontext-Menu für Spurbearbeitung in Shotcut

Wir öffnen nun unsere Original-Aufnahmedatei ein zweites Mal und ziehen die Quelle im Anschluss auf die eben neu angelegte Audiospur

Nacheinander wählen wir nun für die erste (die kombinierte Audio / Videospur) als Spur in die Originalaufnahme die deutsche Tonspur (erste Spur anklicken, mit dem Button „Eigenschaften“ die Eigenschaften der Spur aufrufen und im Tab „Audio“ die gwünschte Spur auswählen). Das gleiche wiederholen wir für die zweite (reine Audio-)Spur, hier wählen wir nun in den Eigenschaften die Spur mit dem Originalton.

Screenshot von Shotcut mit zwei Spuren

Wir können nun das Video wie oben beschrieben bearbeiten.

Wichtig ist jedoch, dass wir Schnitte nun immer in beiden Spuren vornehmen müssen (erste Spur anklicken, Schnittmarke setzen, zweite Spur anklicken, Schnittmarke setzen usw.).

Tonspuren exportieren

Shotcut kann leider keine Videos mit 2 Tonspuren exportieren. Wir exportieren daher beide Spuren in zwei separate Dateien, die wir mit FFMpeg wieder zusammen führen.

Zunächst exportieren wir das Video zusammen mit der Deutschen (Standard-)Tonspur. Hierzu schalten wir die zweite Audio-Spur auf stumm (Lautsprecher-Symbol in der zweiten Spur anklicken) und exportieren das Video wie oben beschrieben als MP4. Damit wir uns leichter tun, bennen wir die Datei mit einem Suffix für die Sprache, z.b. <FILMNAME>_deu.mp4

Als nächstes exportieren wir nur die zweite Tonspur, jedoch ohne Video. Wir schalten dazu die erste Audiospur auf stumm, die zweite wieder laut (Lautsprecher-Symbole in den Spuren anklicken). Beim Export-Dialog wählen wir unter „Codec“ die Option „Video deaktivieren“:

Screenshot vom Shotcut Dialog zum Exportieren des Videos, Reiter "Codec"


Entsprechend bennen wir die Datei auch mit einem Suffix, z.b. <FILMNAME>_eng.mp4. Der Export dieser Spur geht nun deutlich rascher, da nur die Audiodaten exportiert werden müssen.

Tonspuren zusammenführen

Um beide Tonspuren zusammen zu führen, benötigen wir das Kommandozeilen-Tool „ffmpeg„. Es befindet sich im Installationsverzeichnis von Shotcut.

Dieser Aufruf führt die beiden Dateien <FILMNAME>_deu.mp4 und <FILMNAME>_eng.mp4 zusammen in einer neuen Datei <FILMNAME>.mp4:

ffmpeg -i <FILMNAME>_deu.mp4 -i <FILMNAME>_eng.mp4 -map 0 -map 1:a -c:v copy -shortest <FILMNAME>.mp4

Untertitel erzeugen

Kodi kann bei Bedarf Untertitel zu einem Video einblenden, wenn es im gleichen Ordner, in dem der Film liegt, eine sog. SRT-Datei mit den Untertiteln findet, die genauso benannt ist, wie die Video-Datei (also z.b. <Filmname>.srt )

In dem Programm „Subtitle Edit“ können wir über das Menu „File / Import from video file“ unsere Original-Aufnahme laden. Ggf. bietet die Aufnahme verschiedene Quellen für die Untertitel an, die uns Subtitlte Edit auswählen lässt:

Screenshot von Subtitle Edit: Auswahl von Untertitel-Quelle

Untertitelformate

Es gibt zwei grundlegende Arten, wie Fernsehsender – sofern sie es tun – Untertitel zu Sendungen mitliefern. Oft werden auch beide genutzt

  • Videotext Untertitel („Teletext“): Die Untertitel werden auf einer eigenen Videotext-Seite in Textform mitgesendet.
  • DVB Untertitel („Images“) : Die Untertitel werden als Bitmap-Bilddaten eingebettet im DVB-Signal mit-übertragen, ähnlich wie dies auch bei DVD oder BluRay Untertiteln der Fall ist. Dies hat einen entscheidenden Nachteil: Technisch gesehen sind die Untertitel lediglich Bilder, kein Text. Wir benötigen jedoch reinen Text für unsere SRT-Datei. Folglich muss Subtitle Edit eine automatisierte Texterkennung (OCR) über diese Bilddaten laufen lassen. Das geht zwar auch, ist aber fehleranfällig und erfordert daher einiges an manueller Nachkorrektur

Fazit: Wann immer möglich, sollte man sich für Teletext als Untertitelquelle entscheiden.

Untertitel mit Video synchronisieren

Nach dem Import zeigt uns Subtitle Edit nun sämtliche Untertitel zusammen mit dem jeweiligen Zeitstempel, zu dem der Untertitel im Video zu sehen sein soll, in einer Tabelle an. Rechts davon sehen wir das Video unserer Aufnahme.

Wir laden nun über das Menu „Video / Open Video File“ statt der ursprünglichen Aufnahme unser fertig bearbeitetes Video.

Screenshot von SubtitleEdit mit importierten Videodaten und Untertiteln

Nun können wir die Zeitstempel der Untertitel noch so anpassen, dass sie gut zu unserem Video passen (das ist dann nötig, falls wir z.b. Teile des Original-Videos weggeschnitten haben). Dabei unterstützen uns die Schaltflächen links unten („Set Start and offset the rest“ usw.), mit denen wir z.b. sämtliche Untertitel um einen bestimmten Zeitversatz verschieben können.

Rot hinterlegte Untertitel zeigen an, dass SubtitleEdit der Meinung ist, der Untertitel sei zu kurz zu sehen, um ihn bequem lesen zu können. Bei Bedarf können wir dies anpassen (und zum Beispiel zwei Untertitel zusammen führen)

Sind wir fertig, können wir beides (Video-Datei und SRT-Datei) in ein entsprechendes Filmverzeichnis in Kodi ablegen. Beim Abspielen kann man über die Abspiel-Einstellung zwischen den Tonspuren umschalten und / oder die Untertitel einblenden.

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