Digitaler Videorecorder: Teil 1: Hardware

Ein Bild von einem Laptop, auf dem ein Film gestreamwt wird, daneben eine elektrische Kerze. Gemütliche Atmosphähre.

Worum geht’s?

In Zeiten immer mehr verfügbarer Streaming-Dienste bleibt dem Nutzer oft die Qual der Wahl – welche der unzähligen Angebote will man nutzen, welche Dienste haben genau die Filme und Serien, die man sehen möchte?

Umso ärgerlicher ist es, wenn dann plötzlich der vermeintliche Wunsch-Streaming-Dienst die Lieblings-Serie oder den Lieblings-Film aus dem Programm nimmt.

Die Alternative: Ein eigenes Film- und Serienarchiv, aufgebaut aus Medien aus den frei empfangbaren Fernsehsendern und ihren Mediatheken. Kostenlos (wenn man die Hardware einmal angeschafft hat) und völlig legal. Dazu noch einen TV Streaming Server, der Fernsehen auf jedes Endgerät im lokalen Netzwerk streamen kann? Verlockend?

Ich beschreibe hier, wie sich so etwas mit ein bisschen Bastelei relativ leicht aufsetzen lässt. Ausdrücklich nicht soll es darum gehen, wie man rechtswidrig an Urheberrecht-geschütztes Material kommt. Die Beitragsserie beschreibt ausschliesslich legale Wege, über frei empfangbares lineares Fernsehen und die Nutzung von Mediatheken. Da ich in Deutschland lebe, konzentriere ich mich auch in erster Linie auf die in Deutschand kostenlos nutzbaren Angebote. Bitte überprüft für Euer jeweiliges Land, ob und welche Angebote ihr legal kostenlos nutzen dürft.

Genug geredet. Los gehts!

Hardware

Foto eines Raspberry Pi 4 ohne Gehäuse
(Bildquelle: Wikimedia Commons)
  • Plattform: Wir werden das Betriebssystem Lireelec nutzen, das auf zahlreichen verschiedenen Plattformen verfügbar ist. Wir entscheiden uns hier für einen Raspberry PI 4 (Model B), da dieser relativ stromsparend und kompakt ist. Ältere Raspberry PI Modelle benötigten noch eine Lizenz für die Hardware-Decodierung von MPEG2, für den Raspberry Pi 4 entfällt dies.
  • Festplatte: Als Speichermedium wählen wir eine externe USB-Festplatte mit eigenem Netzteil (der Raspberry PI liefert nicht sehr viel Strom über seine USB Anschlüsse, eine externe Festplatte ohne eigene Stromversorgung hat ggf. Aussetzer). In meinem Fall ist es eine externe Western Digital Platte aus der „Elements Desktop“ Serie.
  • TV-Empfänger (optional) Für die Aufzeichnung von linearen Fernsehprogrammen benötigen wir einen Empfänger mit USB-Anschluss für Sateliten-, Kabel- oder terrestirsches Fernsehen. Auch hier sollte etwas mit eigener Stromversorgung gewählt werden. Für den Betrieb zusammen mit dem Raspberry PI sind die Produkte von Sundtek zu empfehlen – diese bieten Linux-Treiber an, die auch für Libreelec leicht installiert werden können. Auch bietet Libreelec direkt optimierte Treiber für die Produkte an. In meinem Fall ist es ein Satelitenempfänger (DVBS). Wer keinen Empfänger kaufen möchte, kann sich immerhin aus den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Fensehsender bedienen.
  • Tastatur (optional): Unser Videorecorder kann mit den unterschiedlichsten Eingabegeräten (Maus, Tastatur, Gamepad, Infrarot-Fenbedienung) gesteuert werden. Sofern Euer Fernseher den CEC Standard unterstützt, ggf. sogar mit Eurer Fernseher Fernbedienung. Für mich hat sich für die Bedienung eine kompakte Bluetooth Tastatur bewährt.

Alles in allem kommen wir auf etwa diese Positionen (Preise sind Schätzung basierend auf marktüblichen Preisen 2026)

Raspberry Pi 4 Kombiset (inkl. Gehäuse, Netzteil und SD-Karte)~ 115,00 EUR
Festplatte 8TB WD Elements Desktop~ 200,00 EUR
SAT-Empfänger Sundtek SkyTV Ultimate UHD (DVB-S/S2/S2X)~ 90,00 EUR
Logitech Bluetooth Tastatur K380SSW~ 40 EUR
Gesamt~ 445 EUR

Überlegungen zum Speicherbedarf

Sparen lässt sich bei der Festplatte, denn abhängig davon, wie groß das Videoarchiv werden soll, reicht auch deutlich weniger als Speicher – und wer sämtliche Filme langfristig ohnehin auf einem separten Speicher (z.b. einer NAS) verwahrt, kommt mit noch weniger aus. Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass zumindest für die Aufnahme von DBVT/DVBS/DVBC eine (kleine) Platte DIREKT am Raspberry Pi betrieben werden sollte. Nach Abschluss der Aufnahme kann man die Aufnahmen dann woanders hin schieben.

Zur besseren Einschätzung des Speichers noch ein paar Zahlen:

Das Fernsehsignal landet üblicherweise als MPEG2-Videodatenstrom auf der Platte, mit sämtlichen Audiospuren – Stereo, 5.1 Sound, Mehrkanalton, Audikommentare für Menschen mit Sehbehinderung – und Untertiteln darin. Es ist daher relativ groß. Mit ein bisschen Nachbearbeitung und unter Einsatz moderner Codecs kommt man jedoch auf recht handhabbare Größen

FormatSpeicher / Stunde (geschätzt)
Direkt aufgenommen aus dem Fernsehen (Beispiel ÖR Fernsehen, HDReady mit 5.1 Sound)6 GB
Bearbeitet:
– 720p Video (HDReady)
– H.264 Video
– 5.1 Audio (AAC, 384 kbps)
1 GB
Bearbeitet:
– SD Video (DVD Qualität)
– H.264 Video
– Stereo Audio (AAC, 192 kbps)
400 – 500 MB

Der tatsächliche Speicherbedarf hängt von Euren Qualitätsansprüchen, dem Aufwand für die Nachberarbeitung uvm. ab. Private Fernsehsender strahlen kostenlos in der Regel nur SD Qualität (DVD) aus, die öffentlich-rechtlichen dagegen HDReady.

Nachdem wir nun beim Versender unseres Vertrauens bestellt haben, können wir uns entspannt zurück lehnen und uns auf die Ankunft der Teile freuen.

Im nächsten Teil geht es um die Installation und Einrichtung von Libreelec als Betriebssytem

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